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Vom Behandler zum Buchhalter? 16 Monate Blankoverordnung: Eine Bilanz

16 Monate Blankoverordnung — statt Bürokratieabbau eine massive Risikoverlagerung. Formfehler, Liquiditätslöcher und die 9%-Sanktion: Eine ehrliche Bilanz.

Friederike Rohde

Friederike Rohde

7. März 2026 · 5 Min. Lesezeit

Unordentlicher Schreibtisch mit Formularen und Laptop in einer Praxis

Es sollte der große Befreiungsschlag für die Physiotherapie werden. Mit der Einführung der Blankoverordnung im November 2024 versprach man: Mehr Autonomie, bessere medizinische Versorgung, volle Patientenorientierung.

Heute, 16 Monate später, sieht die Realität in den Praxen anders aus. Die anfängliche Euphorie ist einer bitteren Erkenntnis gewichen: Wir haben zwar die Entscheidungsgewalt über die Therapie gewonnen, aber gleichzeitig die volle administrative und wirtschaftliche Last der Krankenkassen übernommen.

Die 'Diagnostik-Falle': Wenn Formfehler die Existenz bedrohen

Eines der größten Probleme nach über einem Jahr Praxiserfahrung ist die strikte Handhabung der Physiotherapeutischen Diagnostik (PD). Wer hier nicht penibel dokumentiert, riskiert alles.

Formale Härte: Es geht nicht um die Qualität der Therapie, sondern um die Einhaltung bürokratischer Fristen. 16 Monate nach Einführung erleben wir eine regelrechte Absetzungswelle wegen kleinster Formfehler.

Das Liquiditäts-Loch: 16 Wochen Vorfinanzierung

Ein Aspekt, der bei der Einführung unterschätzt wurde, ist die wirtschaftliche Belastung für Praxisinhaber. Da eine Blankoverordnung erst nach Abschluss der 16-Wochen-Frist, fungieren Praxen quasi als zinsloses Kreditinstitut für die Krankenkassen.

Sie zahlen Gehälter, Mieten und Versicherungen monatlich. Die Vergütung für eine Blankoverordnung fließt aber oft erst Monate nach Beendigung der Verordnung. Für kleine Praxen ist das ein gefährliches Spiel mit der Liquidität.

Wirtschaftliche Bestrafung statt fachlicher Freiheit

Die berüchtigte 'Ampel' bleibt das größte Ärgernis. Wer fachlich begründet über die orientierende Behandlungsmenge hinausgeht, verlässt den grünen Bereich und wird mit 9% Umsatzabzug bestraft.

Es ist ein ethisches Paradoxon: Praxen werden wirtschaftlich sanktioniert, wenn sie Patienten mit komplexen Heilungsverläufen die medizinisch notwendige Zeit widmen.

Fazit nach 16 Monaten: Zeit für ein Update!

Die Blankoverordnung in ihrer jetzigen Form ist kein Bürokratieabbau, sondern eine massive Risikoverlagerung. Während die Ärzteschaft von Regressängsten befreit wurde, tragen nun die Therapeuten die Last der Wirtschaftlichkeitsprüfung und das Risiko von Kürzungsquoten.

Die Praxen brauchen keine 'symbolische Autonomie', die sie am Ende des Monats Geld kostet. Sie brauchen: Echte Zwischenabrechnungen, um die Liquidität zu sichern. Den Wegfall der 9%-Sanktion bei medizinisch begründetem Mehrbedarf. Weniger Dokumentations-Irrsinn, damit sie wieder mehr Zeit am Patienten und weniger am PC verbringen.

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Friederike Rohde

Friederike Rohde

Gründerin von Uplevel Network. Über 15 Jahre Erfahrung in der medizinischen Praxis. Expertin für Heilmittel, Digitalisierung und Umsatzsteigerung.